                                                                                                                                                                        {"version":"https://jsonfeed.org/version/1.1","title":"::chartophylax::","home_page_url":"https://chartophylax.de/","feed_url":"https://chartophylax.de/.json/autor:Alexej%20Lisnjak","description":"Texte bei Chartophylax","author":{"name":"Alexej Lisnjak"},"items":[{"title":"Die Opfergabe","date_published":"2014-11-12T19:02:00+01:00","id":"https://chartophylax.de/%C3%BCbersetzungen/die-opfergabe","url":"https://chartophylax.de/%C3%BCbersetzungen/die-opfergabe","content_html":"\u003Cp\u003EEin Opfer f&uuml;r den Herrn ist die gr&ouml;&szlig;te denkbare Tugend der Welt. Jemand opfert aus Liebe zu Gott seine Zeit, ein anderer, wie die Witwe im Evangelium, sein ganzes Auskommen, damit der Name des Allerh&ouml;chsten in dem Tempel gesungen wird, in dessen Wand auch ihr Steinchen eingearbeitet ist. Selten schon sind solche F&auml;lle, wenn die Menschen aus grenzenloser Liebe zum Sch&ouml;pfer ihr Wohlergehen, ja, ihr Leben opfern. Opfergaben gibt es eben verschiedene. Allen Opfernden werde das Paradies und eine gl&uuml;ckselige Ewigkeit zuteil!\u003C/p\u003E\n\u003Cp\u003EWie jede Kirche, die in den Jahren der gottlosen Staatsmacht von den Werkt&auml;tigen ausgeraubt worden ist, ben&ouml;tigt auch unsere, der Erscheinung des Herrn geweihte Kirche, jegliche Opfergaben. Einst hatte sie zwei Alt&auml;re, zwei Priester und einen Diakon, einen riesengro&szlig;en Hof mitsamt Schule und Garten, eine hohe Mauer aus Ziegelsteinen und ein Baptisterium; nun jedoch steht sie vollkommen abgewetzt inmitten eines gro&szlig;en Fleckens &Ouml;dland.\u003C/p\u003E\n\u003Cp\u003EDie gro&szlig;e, f&uuml;nfzigtausend Einwohner z&auml;hlende Siedlung ist in unseren Tagen nicht gerade reich an begabten Handwerkern. Die einstigen Steinmetze, Putzer und Maler sucht man vergeblich. Wie heilsam f&uuml;r die Seele ist es, an einer solchen Gemeinde Kirchenvorsteher zu sein! Eignest du dir, sagen wir, das Handwerk eines Kunstmalers an &ndash; und schon hat die halb zerst&ouml;rte Kirche wieder Fresken an den Bogengew&ouml;lben. Meisterst du das Tischlerhandwerk &ndash; und schon ist die Ikonostase fertig. Bis dahin lernst du auch das Verputzen und den Umgang mit der Maurerkelle, und da bekommt die Kirche auch schon ihren blendend wei&szlig;en Fassadenschmuck und wird von einem ornamentierten Ziegelsteinzaun umgeben. Wenn sich nat&uuml;rlich ein Spender findet, welcher...\u003C/p\u003E","summary":"Wie man dem Übel durch Arglosigkeit begegnet.","tags":["Russland","Kurzgeschichte"]},{"title":"Der Atheist","date_published":"2014-11-07T19:02:00+01:00","id":"https://chartophylax.de/%C3%BCbersetzungen/der-atheist","url":"https://chartophylax.de/%C3%BCbersetzungen/der-atheist","content_html":"\u003Cp\u003EIch erhole mich. Vor mir der See, der sich bis hinter den Horizont zieht. Die Angel halte ich in meiner Hand. Die Luft ist frisch nach einem Pilzregen. Ich betrachte den erstarrten Schwimmer. Wie herrlich! Mitunter jagt ein leichter Wind ein Kr&auml;useln &uuml;ber das Wasser, und wieder wird es still. Bald ist Sonnenuntergang. Heute werde ich ihn unbedingt abwarten. Dieses Schauspiel ist weit interessanter als Dutzende von Schwimmern. Das Gl&uuml;ck besteht ja auch nicht im Fisch &ndash; nicht jeden Tag, ach! Was hei&szlig;t hier Tag! &ndash; nicht jeden Sommer ergibt sich ein Abend f&uuml;r die Angelei. Der rostige Haken an meiner Angel wird inzwischen wohl schon leer und glatt geleckt sein, dass er gl&auml;nzt.\u003C/p\u003E\n\u003Cp\u003EDieser Ausflug an den See war f&uuml;r mich zu einer einfachen, lang erwarteten Begegnung mit der Natur geworden, welche der Sch&ouml;pfer uns, den ungeratenen Menschen, einst geschenkt hat.\u003C/p\u003E\n\u003Cp\u003EEs tut gut, ab und zu f&uuml;r ein St&uuml;ndchen den Trubel und die Sorgen sein zu lassen, innezuhalten, sich in der Gegend umzuschauen und den Wald, den See, den Himmel zu sehen. Dar&uuml;ber nachzudenken, wie schnell das Leben inmitten dieser Pracht, die hier so zum Greifen nahe ist, vor&uuml;bereilt. Wie wunderbar es ist, sich von den endlosen Sorgen um den Wiederaufbau der durch das getaufte Volk ausgeraubten Kirche zu erholen. Von den Ziegeln, dem Kalk, dem M&ouml;rtel oder eher vom Mangel an selbigen Dingen.\u003C/p\u003E\n\u003Cp\u003EGut und n&uuml;tzlich ist es wohl, sich mit seinen Gedanken in die Natur zur&uuml;ckzuziehen, allerdings war mir dieses Gl&uuml;ck heute nicht beschieden. Rechts von mir tunkt der leitende Agrarwirt unserer...\u003C/p\u003E","summary":"Die Dicken, die Dünnen, die Gerechten und die Sünder - sogar die Atheisten, auch die liebt der Herr.","tags":["Russland","Kurzgeschichte"]},{"title":"Unternehmer","date_published":"2014-11-01T19:02:00+01:00","id":"https://chartophylax.de/%C3%BCbersetzungen/unternehmer","url":"https://chartophylax.de/%C3%BCbersetzungen/unternehmer","content_html":"\u003Cp\u003EJemand, der sparsam und h&auml;uslich ist, wird auf dem Dorf hoch gesch&auml;tzt, und ein solcher wird deshalb unbedingt immer mit Namen und Vatersnamen angesprochen. Mit welchen Bezeichnungen man solche Mannsbilder aber hinter ihrem R&uuml;cken bedenkt, das h&auml;ngt dann schon direkt vom literarischen Talent der Leute ab.\u003C/p\u003E\n\u003Cp\u003EIwan Sergejewitsch nannte man hinter seinem R&uuml;cken einen Knauser. Von Angesicht zu Angesicht jedoch verhielt man sich zu ihm &uuml;beraus respektvoll: Iwan Sergew &ndash; so klangen Name und Vatersname im hiesigen Dialekt.\u003C/p\u003E\n\u003Cp\u003EZu Sowjetzeiten arbeitete er, ganz wie alle seine Dorfnachbarn, in der Fabrik in der Kreisstadt; er war dort Schlosser. Seine Nachbarn gingen nach erhaltenem Lohn feiern, nicht aber Iwan Sergew. Er eilte nach Hause, und dabei nahm er auf Arbeit immer etwas mit; er sagte, es sei unn&uuml;tzer M&uuml;ll &ndash; zwei-drei Elektroden, eine Drahtrolle, eine Rohrzange, oder eine Mutter &ndash; solche Dinge eben. &bdquo;Im Haushalt kann man alles gebrauchen, warum sollte das gute Zeug dort verrosten.&ldquo; Als es f&uuml;r ihn an der Zeit war, in Rente zu gehen, barsten sein Dachboden und sein Schuppen geradezu von all diesem &raquo;guten Zeug&laquo;. Seine betagten Kollegen widmeten sich mit fortschreitendem Alter alle wie einer der Angelei, Iwan Sergew aber litt nicht an solchem Kinderkram: Er schwei&szlig;te den Leuten auf den H&ouml;fen Heizkessel und montierte Heizanlagen. Er erledigte seine Arbeit ohne Hast, geradezu and&auml;chtig, als zelebriere er eine sakrale Handlung. Wenn er den Hausherren die erledigte Arbeit &uuml;bergab, verbeugte er sich, z&auml;hlte sein Honorar dreimal durch und steckte es in ein besonderes S&auml;ckchen, das ihm unter seiner Kleidung um den Hals hing....\u003C/p\u003E","summary":"Kurzgeschichte aus der russischen Provinz und darüber, wie der Neid beflügelt.","tags":["Russland","Kurzgeschichte"]}]}
